Embodiment, Multiple Code Theory, Facial Feedback

Es ist schön, dass wissenschaftliche Forschung der Allgemeinheit frei zur Verfügung stehen kann. Ein Beispiel dafür ist der Forschungbericht der Uni Bern "Vom Embodiment-Konzept zur körperzentrierten Psychotherapie" von Wolfgang Tschacher und Maja Storch (Nr. 09-1): "Embodiment hilft bei der Beantwortung der Frage, wie situationsangepasste Musterbildung in der Psyche zustande kommt, wie Denken und zielgerichtetes Handeln, Fühlen und Wahrnehmen charakterisiert sind" (S.2).

Jenseits allgemein gehaltener "ganzheitlicher" Ansätze in der Sprachtherapie, die kaum wissenschaftliche Evidenzen zu Ihrer Begründung liefern, wird hier eine umfassende Körpereinbindung  ordentlich und nachvollziehbar begründet.

Für SprachtherapeutInnen besonders aufschlussreich sind die Ausführungen zum "Facial Feedback" insbesondere im Zusammenhang mit Myofunktioneller Therapie:

"Eine berühmt gewordene Studie (Strack, Martin & Stepper, 1988) manipulierte unter einem Vorwand die muskuläre Anspannung der Gesichtsmuskeln von Versuchspersonen. Es galt, einen Schreibstift mit dem Mund zu führen und damit Worte auf Papier zu schreiben. Wenn der Stift zwischen die Zähne genommen wird, werden die für Lächeln zuständigen Muskeln (m. zygomaticus, Jochbeinmuskel) im Gesicht aktiviert. Diese Aktivierung führte bei den Versuchspersonen dazu, dass sie Cartoons als signifikant lustiger einschätzten als wenn sie den Stift mit den Lippen führten (was zur Entspannung der zygomaticus-Muskulatur führt). Man kann dies auf eine Art Körperfeedback oder „facial feedback“ (Ekman, 2004) zurückführen" (S.5).

Aus linguistischer Perspektive ist die im Bericht skizzierte "Multiple Code Theory" von Wilma Bucci relevant in Bezug auf die Verwendung von Bildern in der Therapie und deren möglicher "Versprachlichung". Weitere Forschungstätigkeit aus logopädischem Hintergrund zum "Logogen-Modell" und den spannenden Implikationen, die die "Multiple Code Theory" hierfür liefern könnte, wäre begrüßenswert.

Ein Auszug aus dem Bericht zu Bucci: "Die Multiple Code Theory geht davon aus, dass Information vom Menschen grundsätzlich in zwei Arten von Codes wahrgenommen und verarbeitet werden kann: in vorsymbolischer (körperlicher) und in symbolischer Form. Die symbolische Form hat zwei Ausprägungen, die symbolisch verbale (Buchstaben/Worte) und die symbolisch nonverbale (Bilder). Der Mensch verfügt nach Bucci also über insgesamt drei Varianten der Informationsverarbeitung. Zwei Varianten verarbeiten Symbole, eine Variante kommt ohne Symbole aus und bezieht sich ausschliesslich auf körperliche Empfindungen" (S. 12).

Dies wird in folgender Abbildung auf S. 13 dargestellt:

Informations-Codes