Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)

Das ZRM ist ein „theoretisch integratives Modell von Selbstmanagement“ (Storch & Krause, 2010, S. 31). In ihm wurden fünf Phasen entwickelt. Damit werden modellgeleitet durch das ZRM-Training (Storch & Krause, 2010, S. 83) die Prozessschritte des RP beeinflusst. Das ZRM ist „krankheitsunspezifisch und störungsübergreifend konzipiert. Es wird an die Bedürfnisse der jeweiligen Klientel angepasst“ (Storch, 2003, S. 11). Folgende Konstrukte werden im ZRM theoretisch integriert. Daraus werden im ZRM-Training (4.1) modellgeleitet Interventionen zugeordnet. Aus der Persönlichkeitspsychologie die PSI von (Kuhl, 2001). Aus der Motivationspsychologie das RM (Heckhausen & Heckhausen, 2010, S. 7) und die Erweiterung im RP (Storch & Krause, 2010). Die Theoriebasis für Lernprozesse und Gedächtnis ist neurobiologisch (Grawe, 2004; Damasio, 2010) fundiert. Die Handlungstheorie wird für die Umsetzung genutzt. Die Merkmale des ZRM werden bei Storch und Krause (2010, S. 215 – 216) zusammengefasst. In MOVER wird das ZRM als Hybridmodell verstanden (Einleitung dieses Kapitels). Im ZRM werden kontinuierlich-lineare Aspekte (im RP) und ein Aspekt dynamischer Stadienmodelle (Passung der Phasen des ZRM zu Prozessschritten des RP) berücksichtigt.

In MOVER wird der theoretische Leitrahmen für therapeutische Interventionen in der Interaktionsschicht bezüglich der Motivation und Volition durch das ZRM mit seinen Konstrukten gebildet. Die theoretische Ausrichtung des ZRM an Nachhaltigkeit und Transfereffizienz (Storch & Krause, 2010, S. 25-28) macht das ZRM besonders geeignet für die Fragestellung von MOVER. Dies sind: Gezielte Stärkung der Motivation, strikte Ressourcenorientierung, Einbindung sozialer Unterstützung als Ressource und Expertenunabhängigkeit des Klienten in eigenständiger Klärungskompetenz seiner Fragestellungen. Die neurowissenschaftliche Theoriebasis von Storch und Krause (2010) „zur Entstehung und zur handlungssteuernden Funktion von unbewusst verlaufenden Automatismen“ (S. 28) in Kombination mit „effektiven psychologisch-psychotherapeutischen Methoden“ (S.28) erlaubt MOVER die Integration aller wesentlichen Strategien im Zusammenhang mit Motivation und Volition.

Kerngedanke 5: Theoretischer Leitrahmen zur Motivation und Volition

In der Phase der Absichtsbildung im TTM werden die Prozesse Intentionsbildung und motivationale Prozesse gemeinsam abgebildet. Dies erschwert die präzise Abgrenzung. Beim RM fehlt die Phase Absichtslosigkeit und die nach der Handlung erfolgenden drei Phasen des TTM. Das RM ist gut geeignet für die Beschreibung, wie eine isolierte Handlung (gegenüber anderen möglichen) phasenweise zu betrachten ist. Für komplexe Veränderungsprozesse im Zeitablauf ist er nicht gut geeignet. Das ZRM bietet über die sequenzielle Sicht der distinkten Prozessschritte im RP einen dynamischen Rahmen für maßgeschneiderte Interventionen (Kerngedanke 3). Dabei sind diese Schritte nicht als linear zu verstehen, ein „Rückfall“ in frühere Prozessschritte ist möglich. Anders als beim TTM sind die Schritte des RP differenziert genug, um passende Interventionen zu suchen. Die genannten Prozessschritte des RP (3.3) werden bei MOVER aus der Perspektive des Klienten als Handlungssequenz verstanden. Die fünfte Phase der Aufrechterhaltung (Abbildung 1-5) des TTM (3.1) wird als zusätzlicher sechster Prozessschritt in MOVER verwendet. Damit werden Wiedervorstellungen und Nachsorge im therapeutischen Setting abbildbar. In MOVER wird vermutet, dass andere Interventionen auf die Aufrechterhaltung (Abbildung 1-5) des TTM als auf das Handeln (Abbildung 3-5) im RP wirken. Nach dem Prinzip der maßgeschneiderten Interventionen (Kerngedanke 3) ist daher modelltheoretisch ein eigener Prozessschritt nötig. Damit ist der erweiterte RP als Handlungssequenz in MOVER die am besten geeignete theoretische Vorstellung, um daraus maßgeschneiderte Interventionen (Kerngedanke 3) ableiten zu können. Für eine Anlehnung oder Einbeziehung v. a. des ZRM spricht seine langjährige Erforschung (vgl. 4.1) mit entsprechend umfangreichen empirischen Daten. Die Bekanntheit des TTM auch in den Gesundheitsberufen (Rehabilitation, Pflege) erklärt sich auch aus der praktikablen Verwendung im Arbeitsalltag. Die Begründung der stark neurowissenschaftlich ausgelegten Theoriebasis (Kerngedanke 5) findet sich unter anderem bei Storch (2002) und Storch und Krause (2010). Das ZRM ist geeignet, einen theoretischen Leitrahmen bezüglich der Motivation und Volition des Klienten in seiner zu durchlaufenden Handlungssequenz für therapeutische Interventionen zu bieten. Das ZRM-Training und das MI als mögliche praktische Interventionen in diesem Rahmen (Kerngedanke 1) werden im nachfolgenden Kapitel erläutert.